Die richtige Art, um die Toten zu trauern, besteht darin, für die Lebenden zu sorgen, die zu ihnen gehören (Edmund Burke)
Die Trauer ist eine Amputation,
deren Phantomschmerz bleibt.
Immer.
Baum 509 Ewigforst bei Kröppelshagen
Ein großes Herz hat aufgehört, im Takt dieser Welt zu schlagen.
Ewigforst, Baum 509
Zwei Bäume
Die Leichtigkeit bei aller Alltagsschwere
-
sie ist gegangen, weil
du gegangen bist.
Was
noch hätte geschehen können, ist
verschluckt vom Riesenschlund der Leere.
Zwei Bäume sah ich dort im Garten
stehen,
gemeinsam
trotzten sie dem Sturm aus West
hielten umschlungen Wurzel und Geäst -
einer fiel. Der Wind kann ungehindert wehen
und kann nach Lust und Laune
wüten,
kann Äste
brechen, wenn es ihm behagt,
kann schon im Ansatz erste zarte Blüten
von Zweigen reißen, was er vorher nie
gewagt.
Denn du warst
hier und hörtest meinen Schrei.
Was ich auch denke, forder, möchte – es ist vorbei.
18. Januar 2020
Der Rausch auf der Achterbahn eines Verlustes führt durch zu enge Rohre, in denen das Wasser von vorn hineingepresst wird, in dem das Gegen-den-Strom-schwimmen nicht enden will.
Der Kampf ums Überleben dauert an. So tun als ob. Being a great pretender - singt Freddy Mercury. Als dieser mit aller Arroganz des Über-allem-Stehens und auch das Nicht-Verstehen
derjenigen, die noch ohne Verlust im Leben sind.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass Charaktere, einst voller Fröhlichkeit und stetem Lächeln, voller Taten, Geduld und Verstehen für andere, böse werden. Wirklich böse. Dünnhäutig. Ungerecht. Guten Willen nicht sehen können. Zuneigung verneinen. Mit mentalen Fäusten die abstrafen, die nix gemacht haben. Abgesehen von der Zuweisung einer abstrakten Schuld, abgesehen von dem Nicht-wahrhaben-wollen, abgesehen von der nicht endenden Wartezeit auf einen Anruf, der nicht mehr kommt, abgesehen von all dem bleibt das furchtbare Gefühl des Alleinseins. Ohne wirklich allein zu sein.
Mit vielen Freunden vereint, die nicht mehr wirklich Freunde sind – aber davon leider gar nichts wissen, nicht ahnend, wie weit die Freundschaft bereits zersplittert ist. Die nicht ahnen, wieviel sie daran teilhatten. Die guten Willens sind und waren, aber bei aller Mühe es nicht hinbekommen. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr sie sich bemühen, desto mehr klafft der Graben.
Im lustigen Gespräch um einen Tisch werden Fotos von Geliebten, die sind, gezeigt. Der einzige Mensch, den man sehen möchte, sitzt nicht mehr mit am Tisch. Er ist nicht mehr dabei. In der Zeit davor, all die Jahre davor, hat er seinen Platz gehabt, hat den Raum gefüllt mit seiner warmen Stimme, seinen klugen Gedanken. Der Schutzwall. Er ist nicht mehr. Fotos von ihm zu zeigen, belastet. Von ihm sprechen belastet. Anekdoten erzählen belastet. Seinen Namen nennen belastet. Die Anderen. Mitreden ist vorbei. Der Elefant im Raum muss endlich das Weite suchen. Wollen sie, die es nicht verstehen. Ich bin nicht mehr der Clown.
Der Platz ist unbesetzt, ist leer, wird auch nie wieder besetzt sein. Denn: Auf diesem Platz sitzt niemals jemand anderes. Nie. Das zu begreifen, begreiflich zu machen, ist eine unlösbare
Aufgabe. Nachvollziehen, vielleicht, kann das nur, der einen ähnlichen Verlust empfindet. Ich wünsche es keinem.
Ich tue allen Unrecht.
Für manch einen unverständlich.....
Beltane 2017
Tod
Falls Aragorn diesen Krieg überlebt, werdet ihr dennoch
getrennt sein. Falls Sauron besiegt und Aragorn König ist, und alles worauf du hofftest, sich erfüllt hat, wird er dennoch bitter das Los der Sterblichkeit erfahren. Ob durch das Schwert oder
langsamen Verfall – eines Tages stirbt Aragorn. Und keinen Trost wird es geben für dich, keinen Trost, den Schmerz seines Scheidens zu lindern. Arwen – hier gibt es nichts für dich – nur den
Tod.
(Elrond zu Arwen in „Herr der Ringe“ – Die Gefährten
Die Große Mutter bleibt, von der wir kamen;
ihr spielender Finger schreibt
in die flüchtige Luft unsere Namen.
(Hermann Hesse)
Du bist gegangen - aber die Liebe bleibt.
Deine Frau und deine Tochter
Nie ist es eine gute Zeit......
Wenn du noch einmal sterben solltest,
stirb bitte im November
und nicht an einem
Neubeginn.
Denn alle Pläne von der Neujahrsnacht
zerstäuben zwischen Flocken weißen Schnees.
Glaube mir, es tut so furchtbar
weh;
der Schmerz tropft aus dem Herzen
wie tausend kleine Kerzen im Dezember.
Wenn du noch einmal sterben solltest,
stirb nicht im kalten Januar,
da schenkt kein
warmes Fleckchen Trost
Und langer Nächte Silberlicht
der Sterne – sie sind wie eh so hell und klar -
doch das genau sollen sie grad
nicht.
Liebster, ich weiß, dass du nicht gehen wolltest.
Kannst du selbst dein Fortgehen nicht vermeiden,
lass es nicht zu in einer Sommerzeit,
in der die Lebenslust aus allen Poren quillt
und dann in Sehnsucht stecken
bleibt
wie Dornen tief in wundem Fleisch,
das blutet und das niemand stillt.
Lass doch dein Liebstes nicht so leiden.
Wenn dich der Gevatter holen muss in seiner Gier,
soll er doch warten, bis auch meine Zeit gekommen ist.
Wir hatten uns doch lieb und hielten aneinander fest;
Streit und Trennung schienen uns
ganz ohne Sinn.
Und nun? Unfassbar, dass du nun gegangen bist.
Ich hoffe sehr, dies ist ein Scherz, vielleicht ein Test
und du stehst morgen wieder lachend hier vor mir.
Wenn sich dein Fortgang nicht vermeiden lässt,
geh bitte nicht im goldenen Sonnenschein.
Wenn uns der Herbst in seinem Überfluss
so reich beschenkt an süßer Frucht und Honigwein;
wenn die Erinnerung an deinen ersten Kuss
und auch die Wärme deiner Arme hüllt mich ein.
Verzeih, dass meine Träne deine Wangen nässt
Geh bitte nicht im goldenen Herbstgeschehen,
wenn überall die Erntefeuer auf den Feldern brennen
und das Füllhorn gibt, was wir zum Leben brauchen.
Die letzte warme Sonne lässt die Spinnen spinnen
und macht, dass wir trotz Unvernunft das Wohl erkennen,
selbst wenn die Drachen einer nahen Kälte fauchen.
Im Nebelmorgen wirst du sein – und nicht vergehen.
Wenn du erneut gezwungen wirst zu diesem Schritt,
geh bitte nicht vor einem Frühlingsrausch.
Es ist
so grausam, all dem Werden und Entstehen
ringsumher an Zweig und Blatt, in jedem
Vogelnest
mit Trauer in dem Herzen zuzusehen.
Wenn sich das Sterben nicht vermeiden lässt -
dann nimm mich auf die lange Reise
mit.
13. April 2020
Es macht mich froh, mit dir am Michel verewigt zu sein.
A loss without tears
I cried the whole of possible tears
when Lady Di was gone
I cried another lot of tears
when Svea died
I cried three days and nights
after I lost my mum
I cried even when my brother
died because of long forgotten
loving memories
I cried in a far distance
thinking of my sisters death
and for the ones she left behind.
I cried tears in the cosy fur
of Snorri's loving body
and Rauke, the night she went
over the rainbow bridge
I cried in cold decembre days
because Haithu could not longer stay.
So many tears in past
were good and some
were wasted.
For I did not know
that the greatest loss to come
was a future situation
what took place this year -
I shouldn't have wasted tears
in past -
because now the tears won't fall.
They are frozen -
in the broken heart of mine.
25. Juni 2020 - after solstice
Sieben Schlösser
Du, mein Liebster, hältst mein Herz gefangen
weit über deinen Tod hinaus und fest;
alleine gehe ich die Jahre bis zum Rest
und trage weiterhin für immer das Verlangen
nach dir in mir – jetzt mit dem steten Bangen,
dass der Tage goldner Schimmer mich verlässt,
die Faust der Trauer mein Herz zusammenpresst;
ich kann sie nicht beleben, deine bleichen Wangen.
Deine Liebe war mir schier und ohne Vorbehalte,
schlich sich auch manchmal die Gewöhnung ein.
Doch gab es nie ein Fortgehen ohne Worte
und unsere Seelen stets vereint an einem Orte,
in einem siebenmal verschlossenen Schrein.
Die Schlüssel liegen in der Marianenspalte.
©12. Juni 2020
Die Tage schwinden....
Ich höre den Wind in den Weiden;
Er flüstert heut' leise über Küste und Land,
Sein Atem nimmt warm und sanft meine Hand,
Er umhüllt meinen Körper, zärtlich und seiden.
Heute noch wird er die Sonne nicht meiden;
Er füllt seine Netze mit ihr bis zum Rand,
Ruhig wachsen die Schatten an steinerner Wand.
Bald wird sie im Westen die Dunkelheit scheiden.
Schon glimmen im Nachtblau der sinkenden Zeit
Tupfer für Tupfer kleine Sonnen im Himmelszelt,
Lichtjahre weit und vielleicht nicht mehr wahr.
Erschauernd zeigt mir das vergehende Jahr:
So klein und verloren bin ich in der Welt.
Ein Wind weht von Süd - ich halte mich bereit.
14. September 2020
Dein Lieblingslied aus einem unserer Lieblingsfilme .....
Erstickt
Meine Lieder, die ich häufig laut und nur für dich gesungen -
Orpheus' Ohren hätten sie gewisslich so nicht gern gehört.
Rau und oftmals falsch im Klange – haben dich doch nie gestört.
Bei dir wusste ich: Sie sind mit Liebe in dein Herz gedrungen.
Ich kannte alle – nun sind ihre Melodien mir und dir verklungen:
Dir, weil nun Frau Holle jenseits eines Zaunes dich zu sehr betört,
Ewig bleibt nur die Erinnerung und selbst sie wird mir zerstört.
Ruhelos und stumm sind mir nun meine Kehle und die Lungen.
Chorgesänge mögen einmal wieder gehen, doch das freie
Hemmungslose fröhlich-laute Singen dir zulieb und immerzu,
Ach, es ist nun fort für immer. Wie ein welkes Rosenblatt
Rieselt es so klein und traurig, als ob's nie gesungen hat,
Mein Stimmchen, wehrlos, ruft in festgefügter Reihe
Einer lauten Welt mit stummem Schrei „Liebster, wo bist du?“
Am 16. September 2020
Das alles .....
Mein Biker, Sternendeuter, Spielemeister,
mein Herzensbrecher, weiser Lehrer, Freund,
mein Seelentröster, Humorist und ewig Treuer.
Mein Rätselmacher, Märchenleser, Bücherfreund,
mein Torbewacher, Kettensprenger, Muschelsucher,
mein Wissender, mein Schutz, mein Philosoph.
Mein Fundament, mein Schutz, mein Schild,
Mein Wagemut und Ur-Vertrauen
Mein Ausgleich, Fallnetz und mein Brunnen.
Mein Filmaussucher, Quizzberater, Geologe,
mein Fingerzeig, Geliebter, Archivar,
mein starker Held, Archäologe, Katzenfreund.
Mein Hundesitter, Wegbegleiter, Schlüsselfinder,
mein Sturmbesänftiger, Unterstützer, Wegbereiter,
mein Spinnenfänger, Kritiker und Liebster.
Mein Wespenfreund, Erdgebundener, Wolkenwandler,
mein Schlafbewacher, Sinnensucher, Indianer,
Mein Wolfsbruder, Lyrikfreund und vieles mehr.
(to be continued....)
©12. Juni 2020
Funeral Blues
W.H. Auden (1936)
Stop all the clocks, cut off the telephone,
Prevent the dog from barking with a juicy bone,
Silence the pianos and with muffled drum
Bring out the coffin, let the mourners come.
Let aeroplanes circle moaning overhead
Scribbling on the sky the message 'He is Dead'.
Put crepe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffic policemen wear black cotton gloves.
He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last forever: I was wrong.
The stars are not wanted now; put out every one,
Pack up the moon and dismantle the sun,
Pour away the ocean and sweep up the wood;
For nothing now can ever come to any good.
https://www.youtube.com/watch?v=5OyOt29JvaU